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Sollte man Babyfotos online stellen?

Sollte man Babyfotos ins Internet stellen? Das ist eine dieser Fragen, über die man sich ewig streiten kann. Oder gar nicht, denn letztlich ist es einfach Typfrage, ob das was für einen ist oder nicht. Sind Fotos der Kleinsten im Netz ein Risiko oder ist die Sorge darum übertrieben? Wir haben hierzu unterschiedliche Ansichten, also haben Elina (stellt keine Babyfotos ins Netz) und Katja (stellt gerne Babyfotos ins Netz) einfach mal beide Seiten diskutiert.

Contra

Ich, Elina, gehöre zur vielleicht letzten Generation, die noch ohne echten Zugang zu sozialen Netzwerken zur Schule gegangen ist. Wir hatten einen Familiencomputer, und ja, ich wurde noch mitunter gebeten, aus dem Internet rauszugehen, damit jemand telefonieren konnte. Ich habe meine ersten Partyfotos noch beim Schlecker gegenüber meiner Schule entwickeln lassen und ich bin noch mit Discman auf Klassenfahrt gefahren. 2005. Ich bin mir sicher, dass es da theoretisch schon MP3 Player gab, aber ich erinnere mich auch daran, dass ich sehr beeindruckt war von all den iPod Besitzern in der Londoner U-Bahn. Auf der einen Seite habe ich mich bewusst bis zuletzt geweigert ein Handy zu besitzen (das kam dann mit dem Studium 2007), auf der anderen Seite hatten meine Eltern einfach andere Sorgen als einem Teenager die neuesten Digitaltrends unter den Weihnachtsbaum zu legen.

Dann kam Myspace, und Facebook, und zwischendurch auch StudiVZ, und, oh boy, teilte ich mein Leben online mit der ganzen Welt. Die Hälfte meines Freundeskreises war immer auf der anderen Seite der Welt und dankbar für mein Mitteilungsbedürfnis. Doch irgendwann befreundeten mich Bekannte aus dem Studium, Arbeitskollegen von verschiedenen Praktika und auch Familienangehörige und ich begann mit Listen und Blockierungen zu experimentieren. Dann musste ein „öffentliches“ Profil her, schließlich musste alles Vergangene gelöscht werden, denn „wenn du dich nicht wohl damit fühlen würdest, dass deine Oma es sehen würde, dann sollte es wahrscheinlich nicht online sein“.

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In wenigen Tagen werde ich Mutter und ich sammle wie eine Irre zuckerstylische Fotos auf Instagram und sage zu meinem Mann, genauso ein Babybump Foto möchte ich haben, oder so sollen meine Post-Geburt Fotos aussehen, oder guck mal wie zeitlos schön das Baby da aussieht. Doch ich habe während der letzten zwei Jahre eine gewisse Antipathie gegenüber Facebook entwickelt. Nun gut, wer hat das nicht, außerdem ist es ja auch nicht mehr cool, sagen die Kids, oder?

Ich musste vor ein paar Tagen schockiert feststellen, dass ich Fotos einer Bekannten aus der High School einsehen konnte, obwohl ich nicht einmal mit ihr befreundet war. 140 Fotos von ihr auf dem Weg zum Krankenhaus, während der Geburt, nach der Geburt und von ihrem neugeborenen Kind. Es war das seltsamste Gefühl für mich, und natürlich ist das extrem, aber angeguckt habe ich sie mir dennoch (alle). Freunde von mir posten das Fieberthermometer ihrer Kinder und fragen die Community nach Rat, die offiziellen Schulfotos ihrer Kinder und jeden Geburtstag (monatlich) ihrer Babys. Über die meisten Fotos freue ich mich, und ich würde niemals jemandem raten, weniger zu posten, das sollte natürlich jeder selbst wissen, aber ich hab kein gutes Gefühl dabei. Nicht nur weil ich Angst davor habe, was eigentlich mit diesen ganzen Daten eines Tages passieren wird, sondern weil ich mir ein Gefühl von Privatsphäre erhalten möchte – und sei es oberflächlich, denn natürlich ist mir klar, dass durch Gmail, die Cloud und Whatsapp an sich schon viele Daten „da draußen“ sind.

Aber das bisschen Kontrolle, das mir bleibt, möchte ich mir gerne erhalten. Ich möchte keine Unterhaltungen mehr mit guten Freunden führen, die davon unterbrochen werden, dass sie mir mitteilen “Ja, das habe ich auf Facebook gesehen.” Ja, wir leben in einer digitalen Welt, und ja, ich arbeite mit digitalen Medien, und ja, ich schreibe zum Teil auch persönliche Posts über mein Leben, aber ich ziehe meine Grenzen, und ich lerne dazu. Ich hatte das Privileg in einer nicht digitalen Welt aufzuwachsen, und ich habe die Erfahrung gemacht, sehr digital erwachsen zu werden. Ich lerne jeden Tag dazu, was ich eigentlich möchte und womit ich mich wohl fühle. Das ist ein Prozess, der heutzutage eng verbunden ist mit meinem Leben online.

Deshalb habe ich mich entschlossen, keine Fotos meines Kindes auf soziale Netzwerke hochzuladen. Und das wird nicht einfach sein. Ich teile nach wie vor gerne vor allen Dingen positive Ereignisse meines Lebens, aber das Verlangen, mein Mittagessen mit der Welt zu teilen ist erheblich zurückgegangen und das tut mir gut, das merke ich selbst. Ich habe keine Ahnung, ob in Zukunft schon Fünfjährige ein Facebookprofil haben werden, oder ob mein Kind mit 12 Jahren zur Insta-Queen gekürt wird. Bis dahin kann ich mir sicher sein, dass mein Kind nur von denen gesehen wird, die sich die Mühe machen werden, es kennenzulernen. Oder höflich nach aktuellen Fotos nachfragen. Die entwickle ich dann vielleicht auch und schick sie mit der Post, ganz Oldschool. Oder heißt das jetzt Retro?

Einen noch extremeren Standpunkt vertritt Amy Webb, die aber auch aufgrund ihres Jobs gute Gründe dafür hat. Lohnt sich mal reinzulesen.

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Pro

Ich, Katja, liebe Babyfotos. Es macht mir tatsächlich rein gar nicht aus, wenn meine Freunde jeden 2. Tag auf Facebook Bilder ihrer Sprösslinge posten, wie sie lächeln, sich mit Brei zusauen, das erste Mal schaukeln, brabbeln oder niedliche Kostümchen tragen. Ich freue mich über jeden Papa, der entzückt kleine Videoclips von seinem Junior teilt und jede Mama, die stolz ihr Töchterchen den Menschen hinter den Monitoren vorstellt. Und eben weil ich solche Bildern gern sehe, wusste ich auch für mich ganz klar, dass ich selbst auch Fotos von meinem Kleinen posten würde. Um meine vielen Freunde und Bekannten im Ausland auf dem Laufenden zu halten, aber auch einfach, weil ich gern glückliche Momente teile.

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Wenn man zum ersten Mal ein Kind bekommt, ist der Drang nach Austausch erst mal groß. Alles ist so neu, so anders. Soviel Stress, soviel Freude, aber vor allem viele kleine Wunder, jeden Tag aufs Neue. Nach dem Baby selbst war für mich der Austausch mit anderen Eltern mitunter das Schönste am Mama sein. Es macht einfach Spaß zu reflektieren, zu vergleichen, zu beratschlagen und sich beratschlagen zu lassen. Dadurch wird dieses kleine Wunder, dass mich auch nach 6 Monaten immer noch erstaunt, jeden Morgen aufs Neue, etwas greifbarer.

Ich denke, das geht vielen Müttern so, auch denen, die sich nicht gut dabei fühlen ihr Kind im Netz zu sehen. Oft posten diese dann nur Bilder, auf denen Juniors Körper, aber nicht sein Gesicht nicht zu sehen ist. “Das Kind soll selbst entscheiden können”, sagen einige, andere sorgen sich um Bildrechte, Perverse und sogar Entführung. Ich kann verstehen, dass man bei den eigenen Kindern gern auf Nummer sicher geht, finde aber auch, dass wir in einem digitalen Zeitalter leben, da gehören Fotos und Identitäten im Netz irgendwie dazu. Als Bloggerin und Fotografin bin ich es gewohnt Privates zu teilen. Ich mag die Idee, dass die Welt ein Dorf ist und jeder auch mal bei jedem reinschauen kann. Meine Fotos teile ich mit Freunden und potenziellen Freunden. Ich geh nicht davon aus, dass das Internet voll mit schlimmen Menschen ist, die mir und meinem Kind Böses wollen. (Mein Glas ist immer halb voll!) Die Gefahr, dass “die falschen Leute” diese Bilder zu Gesicht bekommen, ist in meinen Augen verschwindend gering und offline eigentlich auch da, wenn man es eng sieht. Ich sehe nicht, wie es meinem Kind in 20 Jahren schaden kann, dass seine Mutter damals seine erste Fahrt im Buggy mit dem Internet geteilt hat. Und was die eigene Entscheidung angeht, so denke ich, dass Social Media für unsere Kids einfach dazu gehört, die wenigsten werden sich von sich aus dem verwehren.

Natürlich ist es wichtig, zu selektieren was man postet. Man sollte sich schon die Frage stellen, ob dies oder jenes Foto dem Kind eines Tages mal peinlich sein könnte. Zu 99% jedoch denke ich sind Baby- und Kinderfotos einfach nur super süß und machen Spaß. In diesem Sinne, bitte postet eure Süßen, ich seh sie gerne!

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Ja oder neun zu Babyfotos online? Sag uns deine Meinung in den Kommentaren!

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Author

Elina
Elina Penner kann drei Kontinente irgendwie ihre Heimat nennen und weiß seit ihrem Studium der Politikwissenschaft und Amerikanistik, dass sie einen Migrationshintergund hat. Nach Abstechern im Social Entrepreneurship, Fußball-Journalismus und der Markenberatung hat sie jetzt beschlossen, wieder mehr zu schreiben und spontan (vielleicht) ihren Doktor zu machen (und ein Kind).

2 comments

  • Ich finde Babyfotos auch süß und freue mich, wenn ich auf Facebook oder Instagram privat Bilder von Babys von Freunden und Bekannten sehe.
    Auf Blogs sehe ich das allerdings äußerst kritisch, vor allem, wenn die Kinder schon älter sind. Viele Mütter posten so unbesorgt Bilder von ihren Fünfjährigen, erzählen vom Alltag von Maria-Elisabeth oder Heinrich-Marcel und vergessen dabei komplett, dass jeder dank Impressum weiß, wo sie wohnen. Und jeder weiß, wie das Kind aussieht. Wie es mit vollem Namen heißt. Den richtigen Kindergarten aufzuspüren ist dann auch nicht mehr schwer. Und das Kind mit vertraulichen Informationen anzusprechen. Und behaupten, man wäre ein Freund von Mama und Papa und solle Sabrina-Angelina abholen.
    Das sind vielleicht Horror-Szenarien, aber es ist ziemlich einfach, wenn man alle Infos öffentlich teilt. Und mir wäre das entschieden zu gefährlich.

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  • Pingback: Sollte man Baby/Kinderfotos online stellen? | hallo kleines

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