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Hör auf, dich zu entschuldigen!

Kennt ihr das? Man hat eine tolle Klamotte an, vielleicht neue Schuhe oder ein besonderes Schmuckstück. Eventuell liegen die Haare gut oder man strahlt einfach gute Laune aus. Jemand bemerkt und kommentiert das mit anerkennenden Worten. Und jetzt Hand aufs Herz: wieviele unter euch reagieren nicht etwa mit einem (durchaus angebrachten) “Oh, danke!”, sondern viel öfter mit einem “Ach, ja die sind nur von H&M” oder einem “Danke, aber so toll sind die gar nicht.”? Wir bekommen ein Kompliment und als Defaultreaktion reden wir es klein.

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Vor einigen Jahren traf ich in Neuseeland eine junge Frau, die mit gerade mal 27 Jahren einen PhD hatte. Ich war natürlich schwer beeindruckt und sagte ihr das auch. Ohne Unterlass legte sie los ihren Titel kleinzureden. Sie hätte einfach Glück gehabt, ihr Fach war nicht so schwer. 8 Jahre intensives Studium, einfach abgetan.

Vor 3 Tagen dann wieder. Ich saß in einer Runde von Bloggerinnen und Journalistinnen auf einer Pressereise in das angeblich beste Resort Griechenlands. Neben mir war da diese junge Bloggerin, die, auf Nachhaken der PR-Dame des Hotels, vorstellen sollte was sie beruflich macht. Sie erzählte daraufhin von ihrem Blog, ihrem Instagramkonto mit über 60.000 Followern. Nicht schlecht, für eine 22-jährige! Im selben Atemzug aber sagte sie dann, dass sie diese ja über 6 lange Jahre aufgebaut hatte, dass 60.000 ja nicht sooo viel seien und sie überhaupt kein “big deal” sei.

hoer auf dich zu entschuldigen

Ich finde das so schade. Warum nur fällt es gerade Frauen so schwer zu sehen welche ihrer Erfolge auch wirklich welche sind? Wieso sind wir so schwer mit uns selbst zufrieden? Warum können wir uns nicht einfach mal selbst auf die Schulter klopfen, wenn uns jemand ein Kompliment macht und uns, zumindest im Stillen denken:

“Stimmt eigentlich, ich bin ganz schön geil.”

Ich gebe zu, ich war vor einigen Jahren auch die Sorte kleinreden, weglachen, nicht ernst nehmen. Ich fand vieles an mir gut, vieles aber auch nicht. Alles in allem war ich eigentlich nicht so selbstbewusst, wie man es von außen vermutlich angenommen hätte. Spätestens seit der Lektüre von Sheryl Sandberg’s Lean In hat sich diesbezüglich einiges bei mir geändert. In dem Buch spricht Sandberg an, dass Frauen viel selbstkritischer sind als Männer, dass sie sich selbst Chancen verbauen, weil sie nicht genug an sich glauben. Bestimmt habt ihr bereits von der Statistik gehört, die besagt, dass Männer sich auf eine Jobausschreibung bewerben, in der sie nur 60% Hälfte der Anforderungen erfüllen. Frauen hingegen bewerben sich, wenn sie die Konditionen zu 100% erfüllen. Kommt euch das bekannt vor?

Mach den Selbsttest. Du triffst 2 Personen, beide sagen, sie seien Fotografen. Person A sagt, sie mache Fotos, sei aber auch Kellnerin und kann noch nicht so wirklich von den Bildern leben. Sie wirkt unsicher in Bezug aufs Fotografieren. Person B erzählt dir was von Licht und Locations und sprudelt über mit Ideen. Wem würdest du anhand dieser Informationen mehr Kompetenz zutrauen? Was du nicht weißt: Person B macht keine guten Fotos, Person A aber schon.

Person A war ich, vor 8 Jahren. Person B eine damalige Freundin, die, wenn man abends mit ihr ausging, am Ende des Abends immer mindestens einen Job in der Tasche, auch wenn niemand auch nur ein Bild von ihr gesehen hatte. Sie wusste einfach sich zu verkaufen!

hoer auf dich zu entschuldigen

Fake it till you make it

Falls du dich in diesem Text wiedererkannt hast, stellst du dir jetzt vielleicht die Frage, wie das jetzt genau geht, mit dem Selbstbewusstsein. Der Schlüssel? Üben, üben, üben. Wenn dir jemand ein Kompliment macht, beiß dir auf die Zunge und sag “Danke!”, mehr nicht. Denke darüber nach, was du an dir magst, was du kannst, das andere nicht können und vergleich dich zur Abwechslung mal nicht mit den Besten, sondern mit allen anderen. Wetten, in dem Vergleich schneidest du gar nicht mal schlecht ab? Wenn du dir deiner eigenen Kompetenz nicht bewusst werden kannst, wie sollen es dann andere werden?

Denk mal drüber nach.

hoer auf dich zu entschuldigen

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Katja Hentschel hat 5 paar Hände. So fühlt es sich zumindest an für die Fotografin, Reisebloggerin, Modebloggerin, Social Media Consultant und Mama. Nach 8 Jahren in Städten wie Paris, London und New York und einem Master Studiengang in Psychologie, lebt sie nun seit mittlerweile 6 Jahren in Berlin. Ihre anderen Blogs heißen travelettes.net und glamcanyon.com.

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