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Die Kleiderei – Mode für eine bessere Welt

Seitdem die Kleiderei im November 2012 von Pola Fendel und Thekla Wilkening gegründet wurde, entwickelte sie sich in Hamburg zu einer Art Institution in Sachen Mode. Unter dem Motto „Machen statt Meckern“ sind die beiden Studentinnen angetreten unser Konsumverhalten nachhaltig zu verändern und gleichzeitig alle Fashionjunkie-Bedürfnisse zu befriedigen, die Frau haben kann. Dazu verleiht die Kleiderei die feinsten Kleidungsstücke, so wie es Büchereien mit Büchern tun. Was als kleine Idee begann, geht jetzt in die nächste Runde: Die Mädels haben ein Crowdfunding gestartet, um sich einen Onlineshop aufzubauen und damit in ganz Deutschland zur Verfügung zu stehen. Alle wichtigen Fragen zur Kleiderei und ihrer Zukunft hat mir Pola beantwortet.

Pola-(L)-&-Thekla-(R)

Wie kam es zur Gründung der Kleiderei?

Wir erzählen gerne verschiedene Geschichten, aber eigentlich war es eine wirkliche Schnapsidee. Wir stellten fest, dass wir immer viel zu viele Klamotten kaufen und malten uns aus, wie toll es wäre, Kleider leihen zu können. Wir hatten auch direkt den Namen im Kopf. Am nächsten Tag rief Thekla bei mir an und sagte: „Wir machen das echt, oder?“ Und so war die Kleiderei geboren.

Ihr studiert beide noch. Wie schafft ihr es, Studium und Kleiderei zu koordinieren?

Es ist nicht so einfach. Obwohl wir die Öffnungszeiten unserem Studium angepasst haben, hat die Uni bei uns beiden gelitten. Ich habe mein Kunststudium an der HfbK in den letzten Monaten ziemlich schleifen lassen. Am Anfang dachten wir, das wird ein sechsmonatiges Testprojekt. Aber die Kleiderei wurde so gut angenommen, dass wir weitermachen wollten und mussten.

Was kann man bei euch alles leihen?

Das geht von Kleidern Deutscher Jungdesigner, über Vintagefundstücke bis hin zu Taschen und ein paar außergewöhnlichen Designerteilen. Wir möchten den Markt gerne verändern und kleine Labels und fair-trade Produkte unterstützen. Wenn die Kunden das dann ausprobieren, merken sie meistens auch den Unterschied zu konventioneller Billigware. Dabei arbeiten wir nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Spaß an der Mode. Im Gegensatz zu anderen Verleihern war unser Fokus immer auch darauf ausgerichtet etwas zu verbessern und uns um Nachhaltigkeit zu bemühen. Wir sind viel günstiger als andere Verleiher und für den Alltag gedacht,  auch wenn wir natürlich tolle Special-dresses anbieten.

Was ist, wenn man sich in ein Teil verliebt? Kann man es dann bei Euch kaufen?

Kaufen kann man die Sachen bei uns leider nicht, dann funktioniert das System nicht mehr. Das Konzept ist leihen. Interessant ist jedoch, dass oft Leute kommen und sagen: „Dieses Teil muss ich für immer behalten.“ und dann haben sie sich doch bald daran satt gesehen. Zurückgeben ist daher nie unser Problem. Für die 14 € Flatrate im Monat kann man jederzeit 4 Teile haben und sie so oft tauschen, wie man möchte. Wenn man ein Lieblingsteil hat, dann leiht man sich das eben öfter.

14 € ist nicht gerade viel….

Wir wollen, dass sich das jeder leisten kann. Die Kleiderei soll so demokratisch wie möglich sein. Der Kern unserer Kundinnen ist 20 bis Mitte/Ende 30. Nach unten und oben gibt es aber keine Grenze. Bei uns leihen Studenten, Freiberufler und viele mehr. Wir wollen nicht exklusiv sein, sondern eine breite Masse ansprechen.

Kleiderei_04

Wie soll die Zukunft der Kleiderei aussehen?

Thekla hat mal so schön beschrieben, wie sie sich die Autobahnausfahrt der Zukunft vorstellt: Amazon, Zalando, Kleiderei. (Pola lacht.) Ne, Quatsch. Aber wir wollen schon eine etablierte Alternative sein und planen kein Nischendasein. Das setzt natürlich auch ein Umdenken bei den Käufern voraus. Zunächst planen wir jetzt den Onlineversand. Online soll man für die Monatsflat von 24 € ein Paket mit vier Teilen bekommen und es so lange behalten, wie man möchte und dann zurückschicken. Wir haben unglaublich viele Anfragen, von Leuten, die auch Kleidereien in ihren Städten haben wollen, deshalb ist die Idee online zu versenden richtig. Aber wir möchten auch andere ermutigen Kleidereien zu eröffnen.

Sharingplattformen wie whyownit oder foodsharing liegen gerade sehr im Trend, plant ihr so etwas auch?

Tatsächlich wünschen wir uns eine App, die eine Funktion enthält, die es unseren  Kundinnen erlaubt auch untereinander Kleidungsstücke zutauschen.

Ihr habt schon zweimal einen Pop-up-Store in Berlin gemacht. Wird es derartiges weiterhin geben?

Absolut. Wir wünschen uns noch mehr Pop-up-Projekte, auch in anderen Städten. Wir finden Läden schon besser als Online-shops. Hier kann man die Kleider anprobieren und anfassen. Haptik ist bei Mode sehr wichtig. Außerdem sind wir gerne mit den Leuten zusammen und beraten sie. Die Kleiderei ist kein normaler Laden. Sie fühlt sich häufig an wie eine Bar oder ein Salon. Die Mädels kommen nicht nur huschhusch. Bei uns lernt man sich kennen und gibt sich untereinander Stylingtipps. Das Schöne ist auch, dass wir nichts verkaufen müssen. Ich habe lange im Einzelhandel gearbeitet und kenne den Druck noch Umsatz machen zu müssen. In der Kleiderei muss man niemanden anlügen. Die Flatrate ist bezahlt und wir können mit den Leuten gemeinsam das richtige Teil aussuchen. Das  entspannt uns total und sorgt für einen ganz anderen Umgang miteinander.

Kleidung unterliegt ja immer der Mode. Was macht ihr, wenn die Sachen nicht mehr en vogue sind?

Viele Vintageteile bei uns sind Klassiker. Da ist zum Beispiel das kleine Schwarze von Patrizia Pepe. Das kommt nicht aus der Mode. Außerdem  sind die Kundinnen sehr unterschiedlich und wir bieten eine große Vielfalt. So ist immer für jeden etwas dabei.

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Wie sehr wird man zum Junkie, wenn man ständig Zugriff auf die neusten Klamotten hat?

Eine Zeitlang habe ich mich jeden Tag umgezogen, wenn ich in den Laden kam. Wir kaufen auch viel auf Flohmärkten und probieren dann gleich die Sachen an, um zu sehen, wie sie sitzen. In der Zwischenzeit sind die Grenzen zwischen der Kleiderei und meinem eigenen Kleiderschrank fließend. Aber das geht nicht nur mir so. Viele Kundinnen stillen ihre Lust auf Neues bei uns. Wir haben bei einer Umfrage vor ein paar Monaten herausgefunden, dass 70 % unserer Kundinnen wenig bis gar nichts Neues mehr kaufen, seitdem sie bei der Kleiderei angemeldet sind.

Wow! Danke für den Einblick.

 Fotos via Denys Karlinskyy

Eine Mitgliedschaft bei der Kleiderei schont nicht nur Ressourcen und den Kleiderschrank, sondern auch euren Geldbeutel. In Anbetracht der großen Diskussionen um Primark und Co., die in den letzten Monaten geführt wurden, scheinen Projekte wie die Kleiderei umso sinnvoller. Damit in Zukunft nicht mehr nur die Hamburgerinnen in diesen Genuss kommen, ist es an der Zeit, schnell in den Kleiderei-Onlineshop zu investieren. Bei Startnext könnt ihr das Projekt unterstützen und dabei viele schöne Gegenleistungen bekommen. Zum Beispiel ist es möglich ein Kleidungsstück nach dir benennen zu lassen oder ein Photoshooting zu ergattern.

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